OTC-Over-the-Counter-Handel: Von Marktstrukturen bis zu Investitionsentscheidungen

Wenn Sie ein vielversprechendes Unternehmen entdecken, das auf den Mainstream-Börsen nicht auffindbar ist, kann der OTC-Handel außerhalb der Börse eine mögliche Alternative sein. Der OTC-Handel bietet nicht nur breitere Investitionsmöglichkeiten, sondern zieht aufgrund seiner flexiblen Handelsmechanismen auch immer mehr Investoren an. Dieser Artikel erklärt die Funktionsweise des OTC-Handels, seine Markteigenschaften und wie Investoren sicher teilnehmen können.

Was ist OTC-Handel? Grundlegende Marktübersicht

OTC steht für Over The Counter (außerbörslich), was bedeutet, dass Investoren nicht an zentralen Märkten wie Börsen handeln, sondern über dezentrale Banken, Broker, Telefon- und elektronische Systeme Wertpapiere und andere Finanzprodukte kaufen und verkaufen. Dieser Markt wird auch als „Over-the-Counter“ oder „OTC-Markt“ bezeichnet.

Im Gegensatz zur einheitlichen Preisbildung an zentralen Märkten werden die Preise im OTC-Handel durch Verhandlungen zwischen den Parteien festgelegt. Die Handelspartner sind vielfältig: Banken, Wertpapierfirmen, Unternehmen oder Privatpersonen. Viele Unternehmen, die hier gehandelt werden, erfüllen die Anforderungen für eine Börsennotierung nicht oder haben sich bewusst gegen eine Börsennotierung entschieden, um zu vermeiden, dass zu viele Informationen offengelegt werden müssen.

Mit der Entwicklung des Internets und der Expansion der internationalen Finanzmärkte wächst der OTC-Markt rapide. Die Nachfrage nach Handelsflexibilität und Zugänglichkeit treibt dieses Wachstum voran. Im Vergleich zum Börsenhandel ist die Regulierung im OTC-Markt weniger streng, die Handelsregeln sind flexibler, allerdings ist die Preistransparenz geringer und das Risiko höher. Die Gegenparteirisiko ist ebenfalls zu beachten.

Was kann im OTC-Handel gehandelt werden? Produktvielfalt im Überblick

Der OTC-Markt bietet eine deutlich größere Produktvielfalt als zentrale Börsen. Neben Aktien und Anleihen sind vor allem derivative Finanzinstrumente ein Markenzeichen.

Aktien bleiben der größte Markt im OTC-Handel. Im Gegensatz zu börsennotierten Aktien umfassen OTC-Aktien vor allem solche kleinerer oder nicht börsennotierter Unternehmen, insbesondere Start-ups.

Anleihen sind im OTC-Markt sogar vorteilhafter. Aufgrund der hohen Emissionsmengen, der vielfältigen Arten und der geringeren Handelsfrequenz bietet der OTC-Handel eine flexible Plattform für Anleihetransaktionen.

Derivate wie Optionen, Futures und CFDs werden ebenfalls OTC-typisch gehandelt und bieten vielfältige Risikomanagement-Tools.

Devisen werden auf zahlreichen Plattformen fast ausschließlich OTC-geschäfte sein.

Kryptowährungen können im OTC-Handel in großen Mengen auf einmal gekauft werden, was bei spezialisierten Krypto-Börsen oft schwierig ist.

Wie funktioniert OTC-Handel? Mechanismen im taiwanesischen Markt

Am Beispiel Taiwans ist der OTC-Markt ähnlich aufgebaut wie der Börsenhandel, unterscheidet sich aber in der Unternehmensgröße und den Zulassungsvoraussetzungen. Der Ablauf umfasst folgende Schritte:

Erster Schritt: Investoren geben Aufträge bei Brokern auf. Der Ablauf beim Kauf oder Verkauf von OTC-Aktien ist identisch mit dem bei börsennotierten Aktien, es sind keine besonderen Schritte notwendig.

Zweiter Schritt: Die Aufträge werden an das Matching-System des OTC-Zentrums (z.B. Taiwan OTC) weitergeleitet. Wenn ein Investor eine Kauf- oder Verkaufsorder aufgibt, lädt der Broker diese in das automatische Matching-System (ATS) hoch, das nach Preis- und Zeitpriorität Aufträge im Markt miteinander vergleicht und ausführt. Der Ablauf und die technischen Regeln sind mit denen des regulären Marktes identisch.

Handelszeiten und Regeln:

  • Vorbörsliche Handelszeit: 08:30–09:00
  • Reguläre Handelszeit: 09:00–13:30
  • Nachbörsliche Preisfestsetzung: 13:40–14:30
  • Auktionen alle 5 Sekunden
  • Kurslimit: ±10 % (wie bei regulären Börsen)

Die Handelsregeln im OTC sind identisch mit denen an der Börse, inklusive Limit- und Auktionverfahren, täglicher Handelszeiten und Preislimits. Für die OTC-Notierung müssen Unternehmen bestimmte Offenlegungspflichten erfüllen, z.B. Quartals- und Jahresberichte sowie wichtige Mitteilungen. Damit ist die Transparenz im OTC höher als im „Emerging Market“ (z.B. OTC-Board), und Investoren erhalten vergleichsweise umfassende Informationen. Die Abwicklung erfolgt nach T+2, also zwei Tage nach Handelstag, genau wie bei börsennotierten Aktien.

Insgesamt dominiert im OTC-Markt die Zielgruppe kleiner und wachstumsorientierter Unternehmen. Die Kursschwankungen sind höher, aber die Themen- und Wachstumschancen attraktiver. Da die Liquidität besser ist als im „Emerging Market“ und die Regulierungen ähnlich wie bei der Börse sind, ist der Einstieg für Privatanleger weniger schwierig. Allerdings ist die Unternehmensgröße kleiner, sodass Nachrichten und Marktstimmung die Kurse stärker beeinflussen können. Investoren sollten daher vorsichtig sein und auf Kursschwankungen achten.

Vergleich: Börsenhandel vs. OTC-Handel – sieben Kernunterschiede

Um die Positionierung des OTC-Handels besser zu verstehen, vergleichen wir ihn mit dem Börsenhandel:

Vergleichspunkt Börsenhandel (zentralisiert) OTC-Handel (außerbörslich)
Produktstandardisierung Standardisiert Nicht standardisiert
Handelsmodus Auktion (Kollektivpreisbildung) Verhandlungsbasis
Handelsort An zentraler Börse Dezentrale, kein zentraler Ort
Hauptprodukte Standardisierte Wertpapiere, Futures, Fonds Nicht standardisierte Derivate, Devisen, nicht börsennotierte Aktien
Regulierung Streng geregelt Weniger reguliert
Transparenz Preis und Volumen öffentlich Nicht immer öffentlich
Handelsvolumen Hoch Geringer
Handelsarten Wenige Vielfältige
Handelskosten Relativ hoch Variieren je nach Produkt

Produktstandardisierung: Börsenprodukte sind standardisiert, z.B. wie Goldkäufe bei Banken mit einheitlichen Standards. OTC-Produkte sind meist nicht standardisiert, ähnlich wie Pfandhäuser, bei denen jeder Fall individuell ist, aber die Produktvielfalt größer.

Handelsmodus: Börsen verwenden Auktionen, transparent, aber mit geringeren Margen. OTC-Handel basiert auf Verhandlungen, bei denen Käufer und Verkäufer Preise aushandeln, was mehr Informationsaustausch erfordert.

Produktvielfalt: Börsen konzentrieren sich auf Wertpapiere und Futures, da diese standardisiert sein müssen. OTC bietet eine breite Palette an Devisen, Kryptowährungen, nicht börsennotierten Aktien und anderen Derivaten.

Regulierung und Plattform: Börsen sind staatlich genehmigt und streng reguliert. OTC-Märkte werden meist von Brokern betrieben, nur teilweise reguliert. Es besteht das Risiko, dass unregulierte Anbieter Betrug oder Manipulation betreiben.

Transparenz: Börsen veröffentlichen Preise und Volumen. OTC ist weniger transparent, was Chancen für Arbitrage, aber auch Risiken für Anleger birgt.

Liquidität: Börsen haben hohe Liquidität, OTC ist oft weniger liquide, was die Preisfindung erschwert.

Handelsarten: Börsen sind eher standardisiert, OTC bietet flexible, individuelle Handelsmöglichkeiten.

Chancen und Risiken im OTC-Handel: Was Investoren wissen sollten

Vorteile: Der OTC-Handel eröffnet Zugang zu mehr Anlageklassen, z.B. Derivaten, Binary Options, CFDs. Die Produkte sind flexibler, individuell anpassbar. Der Hebel ist oft höher, was die Gewinnchancen vergrößert. Mit zunehmender Regulierung durch bekannte Finanzinstitute steigt auch die Sicherheit.

Risiken: Da der OTC-Markt kein offizieller Börsenplatz ist, fehlen einheitliche Regeln. Es besteht kein Schutz durch eine zentrale Aufsicht. Es gibt Risiken wie:

  • Mangelnde Regulierung: Weniger gesetzliche Vorgaben, Betrugsrisiko durch unseriöse Anbieter.
  • Geringe Liquidität: Schwächere Marktteilnahme, schwerer, gute Preise zu erzielen.
  • Marktrisiko: Weniger Transparenz, größere Kursschwankungen, insbesondere bei volatilen Produkten.
  • Gegenparteirisiko: Betrügerische Akteure könnten falsche Informationen verbreiten oder Betrug begehen.

Wie man sicher am OTC-Handel teilnimmt – Tipps für Anleger

Der OTC-Handel ist nicht grundsätzlich unsicher, aber im Vergleich zum regulierten Börsenhandel besteht ein erhöhtes Risiko. Um sicher zu agieren, sollten Anleger folgende Maßnahmen ergreifen:

  1. Seriösen Broker wählen: Achten Sie auf Regulierung durch bekannte Behörden (z.B. ASIC, CIMA, FSC). Überprüfen Sie die Lizenzierung.

  2. Vertraute Produkte wählen: Bei bekannten, liquiden Produkten wie Devisen oder etablierten Derivaten ist das Risiko geringer. Bei neuen, wenig bekannten Produkten vorsichtig sein.

  3. Plattform mit Schutzmechanismen: Nutzen Sie regulierte Plattformen, die Kundenschutz, KYC, Risikobewertung und Beschwerdemechanismen bieten.

  4. Eigenes Wissen erweitern: Lernen Sie die Produkte kennen, verstehen Sie Hebelwirkungen und Risiken, um nicht unüberlegt zu handeln.

  5. Vorsicht bei unseriösen Plattformen: Seien Sie skeptisch bei Angeboten mit unrealistisch hohen Renditen. Seriöse Anbieter offenbaren Risiken transparent.

Durch bewusste Auswahl und gründliche Recherche können Investoren in diesem Markt Chancen nutzen, während sie Risiken minimieren. Wichtig ist, nur auf regulierte, vertrauenswürdige Plattformen zu setzen und die eigene Risikobereitschaft realistisch einzuschätzen.

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