
Eine nicht-zirkuläre Definition ist ein Gestaltungsprinzip, das fordert, dass zentrale Variablen in einem System nicht in einer sich selbst verstärkenden Schleife aufeinander Bezug nehmen. Das bedeutet: Variable A darf nicht über B definiert werden, während B gleichzeitig über A definiert wird – andernfalls entsteht ein logischer Kreislauf.
Im Web3-Kontext ist dieses Konzept besonders relevant für Situationen rund um Preisfindung, Besicherungsquoten und Liquidationsregeln. Erzeugt ein Protokoll beispielsweise seinen eigenen Preis und nutzt diesen wiederum für Liquidationen und Emissionen, „bepreist“ es sich selbst. Bei erhöhter Marktvolatilität kann eine derartige Selbstreferentialität Risiken noch schneller weitertragen.
Vergleichbar ist das mit dem Bau von Türmen aus Bausteinen: Jeder Stein sollte für sich stehen. Wenn obere und untere Schichten sich gegenseitig stützen müssen, wird die gesamte Konstruktion instabil.
Die nicht-zirkuläre Definition ist deshalb so wichtig, weil zirkuläre Strukturen zu verstärkten Rückkopplungseffekten führen. Sinkt eine Variable, beeinflusst sie über die Schleife eine weitere, die wiederum die Ausgangsvariable weiter schwächt – eine Kettenreaktion entsteht.
Die algorithmische Stablecoin-Krise im Mai 2022 zeigte diese Schwachstelle deutlich: Die Preisbindung von Stablecoins basierte auf Marktkapitalisierung und Mint-Burn-Beziehung eines anderen Tokens – das führte zu Rückkopplungen und gegenseitiger Beeinflussung. Unter Druck geriet der Mechanismus in eine „Abwärtsspirale“.
In Kreditprotokollen kann die Bestimmung des Sicherheitenpreises durch interne Kennzahlen der Kreditnehmer bei starken Marktbewegungen zu Massenliquidationen und konzentrierten Risiken führen.
Im Kern geht es darum, Systemabhängigkeiten als azyklischen Graphen zu gestalten. Das heißt: Alle zentralen Eingaben werden nach ihrer Quelle aufgelistet und es wird sichergestellt, dass diese keine Kreisläufe bilden.
Umsetzungsbeispiele sind:
So lassen sich Protokolle leichter prüfen: Auditoren können eindeutige Abhängigkeitsstränge nachvollziehen, ohne am Ausgangspunkt zu enden.
Stablecoins sollen Preisstabilität sicherstellen und sind meist an Fiatwährungen oder einen Korb von Vermögenswerten gekoppelt. Nicht-zirkuläre Definition bedeutet, dass die „Wertdeckung“ unabhängig vom Stablecoin selbst sein muss.
Typische Methoden sind:
Auf der Trading-Ebene – etwa bei Stablecoin-Paaren von Gate – erfolgt die Preisbildung durch tatsächliches Order-Matching und Markttiefe, nicht durch „interne Preise“ aus Emittentenverträgen. So erhalten Nutzer eine transparente, marktorientierte Preisfeststellung.
In Kreditprotokollen hinterlegen Nutzer Vermögenswerte als Sicherheiten, um andere Werte zu leihen; die Besicherungsquote entspricht „Sicherheitenwert ÷ Kreditwert“.
Wesentliche Umsetzungspunkte:
So sollte bei der Besicherung eines Stablecoins mit ETH der ETH-Preis aus unabhängigen Märkten und mehreren Oracles aggregiert werden. Liquidationsregeln folgen vordefinierten Parametern und dürfen nicht vom Stablecoin-Vertrag im Betrieb angepasst werden.
Oracles bringen Off-Chain-Daten auf die Blockchain und dienen als „verlässliche Thermometer“ für aktuelle externe Werte. Nicht-zirkuläre Definition verlangt, dass Oracle-Quellen unabhängig vom zu messenden System sind.
In der Praxis minimieren Multi-Source-Daten und zeitgewichtete Durchschnittspreise Manipulationsrisiken. Anomalie-Erkennung und Notabschaltungen können kritische Prozesse pausieren, wenn Preise stark abweichen.
Für Nutzer bietet die Nutzung von dezentralen Multi-Source-Oracles mehr Vertrauen als selbst gemeldete Daten. Für Handelsentscheidungen sollte man sich an realen Transaktionen und Markttiefe orientieren, nicht nur an projektspezifischen Indikatoren.
Ein schneller Test ist das Erstellen eines „Abhängigkeitsdiagramms“: Identifizieren Sie die wichtigsten Eingaben eines Projekts (z. B. Preis, Besicherungsquote, Liquidationsparameter, Emissionsregeln) und prüfen Sie auf gegenseitige Referenzen.
Vorgehen:
Die nicht-zirkuläre Definition senkt selbstverstärkende Risiken und reduziert „Bank-Run“-Szenarien durch Rückkopplungseffekte. Sie erhöht die Vorhersehbarkeit bei Liquidationen und Emissionen und erleichtert Audits und regulatorische Prüfungen.
Zu den Grenzen zählen die Abhängigkeit von externen Datennetzen – das kann Verfügbarkeit und Latenz beeinflussen – sowie teilweise geringere Kapitaleffizienz durch höhere Besicherungsquoten oder konservativere Parameter.
Für Nutzer bedeutet das: mehr Stabilität, aber unter Umständen weniger Rendite. Wer Gate für Investments oder Lending nutzt, sollte Preisquellen, Liquidationsregeln und Anomalie-Handling prüfen, Positionen umsichtig steuern und Risiken im Blick behalten.
Empfohlene Schritte:
Häufige Fehler sind:
Die nicht-zirkuläre Definition verlangt, zentrale Systemeingaben unabhängig und azyklisch zu strukturieren. Gerade bei Stablecoins, Lending und Oracles ist das essenziell, um Selbstverstärkung und Kettenreaktionen zu vermeiden. Best Practices sind externe Multi-Source-Daten, geschichtetes Risikomanagement, Notabschaltungen, Überprüfung von Abhängigkeitsdiagrammen und Stresstests. Wer auf die Unabhängigkeit von Preis- und Regelquellen achtet, kann Risiken besser einschätzen; in volatilen Märkten sorgt ein robustes Design für vorhersehbares Protokollverhalten.
Die nicht-zirkuläre Definition legt Wert auf die Unabhängigkeit und Nachvollziehbarkeit von Vermögenswerten, während im traditionellen Finanzsystem oft auch kreditbasierte Sicherheiten akzeptiert werden. Im Web3 muss die Sicherheit unabhängig von nicht verifizierten Wertversprechen anderer Assets sein – das schafft eine klare und glaubwürdige Wertkette. Dadurch wird DeFi-Lending transparenter, aber die Auswahl an zulässigen Sicherheiten eingeschränkt.
Das Projekt ist dann Wertkreislaufrisiken ausgesetzt – mehrere Assets hängen wechselseitig voneinander ab. Fällt ein Glied aus, entstehen Kettenreaktionen. In der Vergangenheit sind Projekte mit zirkulären Abhängigkeiten – etwa synthetische Asset-Protokolle bei starken Markteinbrüchen – gescheitert. Eine strikte nicht-zirkuläre Definition senkt das systemische Risiko und schützt Nutzer vor Verlusten.
Prüfen Sie diese drei Punkte:
Sie wirkt sich indirekt, aber wesentlich aus. Projekte, die der nicht-zirkulären Definition folgen, weisen insgesamt geringere Risiken auf – die Gefahr, dass Vermögenswerte in instabilen Protokollen eingefroren werden, sinkt. Auch wenn Risiken nie ganz ausgeschlossen werden können, erhöht die Wahl von Plattformen mit strikter Umsetzung der nicht-zirkulären Definition (wie bei geprüften Gate-Listings) die Sicherheit der Einlagen erheblich.
Neue Projekte schaffen Vertrauen, indem sie eine transparente, nicht-zirkuläre Wertbasis etablieren – etwa durch reale Asset-Besicherung, öffentlich prüfbare Reserven und unabhängige Drittverifizierung – und ihre Widerstandsfähigkeit in Stresstests belegen. Solche Projekte sprechen risikobewusste Nutzer an und entwickeln sich am Markt langfristig stabiler.


